Glossar

Nudging

Der Begriff Nudging stammt aus dem Englischen und wird mit Schubs oder Anstoß ins Deutsche übersetzt. Dabei geht es darum, dass Verhalten und die Entscheidungen eines Menschen in eine bestimmte Richtung zu lenken. Diese Chance auf eine gezielte Beeinflussung kann sowohl im niedergelassenen Handel als auch beim Marketing sehr effizient ausgenutzt werden. Sogar die Rücksicht auf die Umwelt, die verstärkte Nutzung bestimmter Versandarten und Bezahlmöglichkeiten können mit dieser Technik forciert werden.

Wie funktioniert das Nudging im niedergelassenen Handel?

Bei der Beeinflussung der Entscheidungen der Kunden wird auf Verbote und Gebote vollständig verzichtet. Stattdessen wird beim Nudging die pure Bequemlichkeit der Menschen ausgenutzt. Das zeigt ein Blick in die Regale des niedergelassenen Handels. Dort werden teure Markenprodukte stets auf Brust- und Augenhöhe der Kunden platziert. Wer günstige Hausmarken oder No-Name-Produkte sucht, muss sich in den obersten und den unteren Regalböden umschauen. Außerdem werden die von den Händlern bevorzugten Produkte immer in der Hauptblickrichtung platziert. Das ist bei Geschäften mit Laufrichtung entgegengesetzt zum Uhrzeigersinn immer die rechte Seite.

Wo zeigt sich das Nudging in Onlineshops?

Den Hang zur Bequemlichkeit machen sich auch Onlineshops zunutze, indem beispielsweise die Filter für die Reihenfolge von Haus aus auf die Anzeige der beliebtesten Produkte voreingestellt werden. Ob das wirklich die beliebtesten Produkte sind, ist äußerst fraglich, denn dort tauchen in der Regel nur mittel- und hochpreisige Markenwaren auf. Um eine andere Sortierung zu bekommen, müssen die Kunden spezielle Auswahlmenüs nutzen, was aber viele Kunden durch den zusätzlichen Aufwand nicht tun. Amazon setzt das Häkchen immer beim Standardversand. Für die Auswahl anderer Versandarten sind zusätzliche Aktionen der Kunden notwendig. Diese Vorauswahl von Standards wird als Default Nudging bezeichnet.

Was ist freiwilliges Nudging im Internet?

Hier ist ein Blick auf die möglichen Account-Einstellungen zum Beispiel bei den staatlichen Lotteriegesellschaften interessant. Die Kunden werden hier bereits bei der Einrichtung der Accounts dazu angehalten, sich Limits pro Ziehung, pro Tag oder pro Woche sowie bei den maximalen Einbuchungen von Spielguthaben vom Bankkonto zu setzen. Damit soll einer Spielsucht und den daraus drohenden Konsequenzen vorgebeugt werden. Diese spezielle Form wird Selbstkontroll-Nudging genannt.

Welche Wirkung haben Werkseinstellungen?

Wer bei einem neuen Fernseher oder einem Receiver erstmals den Sendersuchlauf startet, dürfte in der Regel feststellen, dass entweder die Sender aus dem Herstellerland oder die öffentlich-rechtlichen Sender auf den vorderen Plätzen der Sortierung landen. Damit wird die Nutzung dieser Sender forciert, weil sie sich besonders schnell aufrufen lassen.

Die meisten Nutzer lassen sich auch bei anderen Geräten durch die Werkseinstellungen beeinflussen. Das trifft beispielsweise auf Drucker mit Duplex-Einheit zu. Um Nudging handelt es sich, wenn die Benutzeroberfläche den Duplex-Druck als Voreinstellung vorgibt und der einseitige Ausdruck von Dokumenten nur mit manuellen Zusatzeinstellungen gestartet werden kann.

Google nutzt ebenfalls Nudging

Werden bei Google Produkte zum Kaufen gesucht, zeigt die Suchmaschine (Stand Juli 2017) im direkt sichtbaren Bereich des Bildschirms vor allem die Angebote der Werbepartner an. Weil der Mensch bequem ist, klickt er meistens diese an, anstatt die Suchergebnisse umständlich zu scrollen oder sich womöglich mehrere Seiten mit Suchergebnissen anzuschauen. Das war 2017 Gegenstand einer Beschwerde beim Kartellamt der Europäischen Union. Das beweist, dass die Konkurrenten eine gezielte Beeinflussung der möglichen Kunden allein schon durch die Platzierung der Suchergebnisse befürchten.

Doch letztlich müssen auch die von allen Suchmaschinen für das Ranking in den SERPs verwendeten Algorithmen zum Nudging gerechnet werden. Sie bestimmen, welche Angebote in den Suchergebnissen auf den vorderen Plätzen und damit auf der ersten Seite landen. Diese Offerten werden am häufigsten angeklickt. Das heißt, die Suchmaschinen haben einen direkten Einfluss darauf, welche Onlineshops von den Nutzern bevorzugt angesteuert werden. Dadurch rücken Faktoren wie die Produktqualität, der dazu angebotene Service und das Preis-Leistungs-Verhältnis zumindest teilweise in den Hintergrund.


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