Glossar

Kleine-Welt-Phänomen

Dem 1967 entdeckten „Kleine-Welt-Phänomen“ liegt die Erkenntnis zugrunde, dass es in der modernen Gesellschaft einen hohen Grad der sozialen Vernetzung gibt. Seit Stanley Milgram den Begriff prägte, hat sich die Gesellschaft deutlich weiterentwickelt. Vor allem durch das Internet entstehen unzählige neue Verknüpfungen, die so zuvor kaum möglich gewesen wären. Die Anregung zum „Kleine-Welt-Phänomen“, das auch „Six Degrees of Separation“ genannt wird, stammt aus einer Kurzgeschichte des in Budapest geborenen Autors Frigyes Karinthy, die im Jahr 1929 veröffentlicht worden ist.

Wie wurde das „Kleine-Welt-Phänomen“ bewiesen?

Stanley Milgram forderte in seinen beiden Experimenten zum „Kleine-Welt-Phänomen“ die Probanden auf, Pakete über Dritte an eine Zielperson zu schicken, die sich gar nicht selbst kannten. Dabei durften die Pakete immer nur am Menschen geschickt werden, die dem jeweiligen Absender persönlich bekannt waren. Dabei fand Milgram heraus, dass einerseits eine respektable Zahl der Pakete ihr Ziel erreichten und andererseits teils sehr kurze Versandketten zustande kamen. Das von Stanley Milgram trotz aller Kritik untermauerte „Kleine-Welt-Phänomen“ wurde im Jahr 1976 durch eine großflächige Studie in Kanada bestätigt. 2008 führten Eric Horvitz und Jure Leskovec im Auftrag von Microsoft eine weitere Studie im hauseigenen Instant Messenger durch. Auch dort wurden signifikante Anzeichen für das „Kleine-Welt-Phänomen“ gefunden.

Welche Erkenntnisse förderten die Tests zum „Kleine-Welt-Phänomen“ zutage?

Salopp ausgedrückt lautet der Grundsatz beim „Kleine-Welt-Phänomen“, dass durchschnittlich „um fünf Ecken“ jeder Mensch Berührungspunkte mit einem x-beliebigen anderen Menschen hat. Das macht ein Blick auf soziale Netzwerke im Internet deutlich. Würde sich ein neugieriger Wissenschaftler beispielsweise durch die Freundeslisten bei Facebook hangeln und die dabei gefundenen Strukturen dokumentieren, würde er bei einer Auswertung sehr kurze Wege zwischen Nutzern finden, zwischen denen es auf den ersten Blick überhaupt keine Berührungspunkte zu geben scheint.

Wie lässt sich das „Kleine-Welt-Phänomen“ nutzen?

Bei der Werbung in Social Networks beispielsweise über Google AdWords werden nicht nur die Begriffe ausgewertet, die sich im Profil des einzelnen Nutzers finden. Über die Freundeslisten können komplexe Zusammenhänge mit dem „Kleine-Welt-Phänomen“ hergestellt werden. Wer sich untereinander kennt, hat häufig auch ähnliche Interessen. Das bedeutet, dass bei der Werbung in Social Networks die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Zielgruppe auch über die Auswertung der bestehenden Kontakte erfolgen kann. Dabei erfolgt die Analyse ausgehend von den Hubs. So werden in den Social Networks die Profile bezeichnet, die besonders viele Follower haben.

Welche Gefahren birgt das „Kleine-Welt-Phänomen“?

Das „Kleine-Welt-Phänomen“ hat auch seine negativen Seiten. So nützen Hacker bei DDoS-Attacken aus, dass zwischen den einzelnen Servern enge Verbindungen bestehen. Sie greifen gezielt kleinere Server an. Fallen diese durch den Angriff aus, werden die Anfragen an die gekoppelten Server weitergeleitet. Durch den Effekt der Kaskadierung können so auch die Hauptserver großer Hosts zum Zusammenbruch gebracht werden, ohne diese direkt angreifen zu müssen. Ähnliche Angriffspunkte weisen durch das „Kleine-Welt-Phänomen“ auch die Netzwerke von Energieversorgern auf.

Das „Kleine-Welt-Phänomen“ bei der Suchmaschinenoptimierung

Über die Erkenntnisse aus dem „Kleine-Welt-Phänomen“ lassen sich über die Auswertung der gesetzten Backlinks auch Zusammenhänge zwischen einzelnen Websites erkennen. So gibt es unzählige Websites, von denen aus beispielsweise Backlinks auf Online-Enzyklopädien oder die Seiten großer Zeitungen gesetzt werden. Diese Struktur wird von den Google-Algorythmen als natürlicher Linkaufbau gewertet. Dabei untermauert das „Kleine-Welt-Phänomen“ die Tatsache, dass die Anbieter sehr vielen Menschen direkt bekannt sind.

Verweisen allerdings auf eine völlig neue Website unzählige Backlinks von kleineren Seiten, deren Inhalte kaum Übereinstimmungen aufweisen, ist das ein klares Anzeichen dafür, dass es sich um einen manipulierten Linkaufbau im Interesse der Suchmaschinenoptimierung handelt. Werden Websites dadurch zum Hub, dass sie unzählige ausgehende Backlinks aufweisen, kann davon ausgegangen werden, dass es sich um eine Website handelt, die ausschließlich zum Verkauf von Backlinks bestimmt ist. Solche Seiten wurden von so genannten Linkfarmen eingerichtet, deren Daseinsberchtigung Google allerdings mit den Änderungen der Algorithmen im Jahr 2013 ein schnelles Ende bereitet hat.

Verlinken sich kleinere Websites gegenseitig, so kann das sowohl eine natürlich wachsende Verlinkung als auch das gezielte Setzen von Backlinks sein. Zur Differenzierung nutzen die Google-Algorithmen das „Kleine-Welt-Phänomen“, um zu schauen, ob es zwischen den verlinkten Websites andere Berührungspunkte gibt. Die Palette der möglichen Berührungspunkte beginnt hier bei den thematischen Schwerpunkten und setzt sich bis zu den Servern und Hosts fort, über die diese Websites ins Netz gestellt werden. Professionelle Suchmaschinenoptimierer sollten sich deshalb jetzt schon darauf einstellen, dass bei den nächsten Änderungen der Google-Algorithmen derartige Berührungspunkte in die Auswertung für die Platzierung in den Suchergebnissen mit einbezogen werden.


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